☰ Menu
Tel.: (07471) 20 67

Presse

HOHENZOLLERISCHE ZEITUNG

In den Kliniken Aufklärung leisten

Der geprüfte Bestatter Michael Seifert unterstützt die Gute-Taten-Aktion für die Engelskinder

Der Bestatter Michael Seifert ist überzeugt: Wenn Eltern erstmal wissen, dass sie ihr totgeborenes Frühchen beisetzen können, werden das viele tun wollen. Noch allerdings bestehe eine große Wissenslücke.

Hechingen - Michael Seifert ist geprüfter Bestatter im eigenen Betrieb und in der zweiten Generation. Ihm bis heute tatkräftig zur Seite steht die Mutter Gisela, zusätzlich beschäftigt der Hechinger sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – darunter auch seine Lebensgefährtin.

Die Arbeit ist vielschichtig – von der Buchhaltung über den „Dienst am Verstorbenen“ (im betriebseigenen Hygiene- und Versorgungsraum) bis hin zur Begleitung der Angehörigen bei der Beerdigung bietet Michael Seifert alles an. „Wir sind Handwerksbetrieb und Dienstleister in einem“, sagt er.

Ein guter Bestatter zu sein, dazu brauche es viel: die innere Bereitschaft und Belastbarkeit, Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen, Menschlichkeit und gute Umgangsformen. Und er müsse verinnerlicht haben, dass es jeden Verstorbenen mit der gleichen Sorgfalt zu behandeln gilt – „ohne die Arbeit zur Routine werden zu lassen“. Der Spagat bei alledem: „Wir dürfen nicht mit jedem mitsterben.“

Die Gefühle des Bestatters beschreibt Michael Seifert von Sterbefall zu Sterbefall verschieden. Immer besonders traurig: der Tod von Kindern. Nur ganz wenig Erfahrung hat der Hechinger Bestattungsunternehmer mit der Beisetzung von Früh- und Totgeburten. Weil sie bis dato kaum angefragt wurden. Das führt Michael Seifert vor allem darauf zurück, dass die betroffenen Eltern meist nichts über die Möglichkeit wüssten, totgeborene Babys und Föten unter 500 Gramm Geburtsgewicht auf dem Friedhof begraben zu dürfen – und nicht im Klinikmüll „entsorgen“ lassen zu müssen.

Vor diesem Hintergrund hält es der Bestatter für geboten, in den Kliniken – auf den gynäkologischen Stationen – und bei den Müttern und Vätern Aufklärungsarbeit zu leisten. Schon deshalb begrüßt Michael Seifert das Engagement der Hechinger Arbeitsgemeinschaft Hospiz für das Engelsgrabfeld auf Heiligkreuz – die genau diese Wissenslücken in Gesprächen, mit Flyern und anderem mehr schließen möchte.

Woher dieses Unwissen kommt?Der Bestatter glaubt, dass Eltern die immer bestehende Gefahr, ihr Kind verlieren zu können, komplett verdrängen – und die Gesellschaft Früh- und Totgeburten gerne tabuisiere. Erst in jüngerer Zeit würde dieses Tabu, unterstützt durch die Medien, aufgebrochen, rücke das Thema langsam mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Dafür sei es höchste Zeit, sagt Michael Seifert –auch weil er aus Erfahrung wisse, dass Mütter und Väter, die ein Baby verlieren, Beistand brauchen – und einen Platz der Trauer und des Abschiednehmens. Auch für ein totgeborenes Frühchen!

Vor allem die Mütter, die in den wenigen Monaten ihrer Schwangerschaft eine tiefe emotionale Bindung zu ihrem Ungeborenen entwickelt haben, könnten an einem solchen Ort Halt finden, um ihren Verlust zu verarbeiten.

Seit 2004 wurden auf dem Engelsgrabfeld auf Heiligkreuz lediglich zwei Totgeburten beigesetzt – eine just in dieser Woche, da die Arbeitsgemeinschaft Hospiz gemeinsam mit der HZ um Spenden für einen Gedenkstein bittet, der das Grabfeld künftig schmücken soll. Zugleich soll dieser Bereich des Friedhofs insgesamt eine ansprechendere Gestaltung erfahren – und optisch mit dem angrenzenden Kindergrabfeld verbunden werden.